Abenteuer Diamond Coast Trail

 

Vor 50 Jahren hieß dieses Schiff mal "The Border". Nur Hardcore-Geländewagen kommen da hin... 


Abenteuer "Diamond Coast Trail" - Durch Dünensand und Schotter Afrikas
Ein Reisebericht von Frank Nüssel

Tagelang durch das sorgfältig abgeschirmte Diamanten-Revier der
”De Beers Mining Company Namaqualand“?

Tatsache ist, dass die genannte, weltweit führende Diamanten-Gesellschaft ganz langsam ihre streng geschlossenen Abschirmungen etwas gelockert hat, um dem sanften 4 x 4-Tourismus ihre Pforten in limitierter Weise zu öffnen.

”ScanAfrica Tours“ ist es gelungen, durchs wertvolle Schürfgebiet entlang der Südwestküste Südafrikas die Digger-Trails zu nutzen, um im klaftertiefen Feinsand des Atlantiks die immer mehr ins Landesinnere hineinwachsenden Dünen zu durchmessen.

Mal langsam und bedächtig, mal volles Drehmoment der kräftigen Toyota-Dieseltriebwerke nutzend, vor allem, wenn es durch die steilen Sandberge himmelwärts geht.
ScanAfrica Tours hat sich mit der
”4 x 4 Driving Academy“ zusammengetan, in der Allradprofis ihr jahrelang gewonnenes Sand- und Schotter-wissen an die Teilnehmer vermitteln.

Wir fuhren in Zweier-Teams und ich hatte das besondere Glück, mit meinem geschätzten Kollegen T.S. von einem der führenden Allrad-Magazine zusammen zu spannen. Später werden beide ”Wüstenfüchse“ zu Protokoll geben:
“Es hat saumäßig Spaß gemacht, wir standen uns in nichts nach und brauchten weder Technik noch Hilfe der Tourguides in Anspruch zu nehmen“. Na, wenn das nix ist!

Und wer glaubt, Meeresdünen, die in Jahrtausenden gewachsen sind, seien Kinderkram und was für Sandkasten-weichgespülte Weekend-Offroader, der sollte mal schnell zu den Jungs von Scan Africa Tours düsen, um sich eines weiß Gott Besseren belehren zu lassen.

Vor etwa 8o Jahren wurden hier, im Namaqualand, die ersten maritimen Diamanten gefunden.
Das heißt: das Meer hat die tief aus dem Erdinneren durch Eruptionen nach oben transportierten Diamanten in seinem Sediment eingebettet und quasi ans Tageslicht befördert. Ein mühsamer Weg für den Menschen, an die Edelkristalle zu kommen. Um 1 Karat des „Glitzerkrams“ zu erwirtschaften, müssen ca. 15 Tonnen Schotter und Kies 6 mal geschreddert, gesiebt, gewaschen und aussortiert werden.

Das heißt: aus 9o Tonnen Material erst wird 1 Karat gewonnen.
Wir fanden zwar keine Diamanten, aber im nassen Sediment, gesiebt und gewaschen, immerhin versteinerte Holz-stücke und Jahrmillionenalte kleine Haifischzähne.

Die verlassene Diggersiedlung von Noup hatte uns für eine Nacht heimeliges Quartier gegeben. Frisches Meeresgetier wie Lobster, Austern und Krabben brachte uns die Kräfte, die wir tagsüber im Tiefsand gelassen hatten, wieder zurück.

Und als wir am nächsten Tag aus einem endlos langen Dünental wieder westwärts auftauchten, stand vor uns die vom Rost perforierte Skelett-gestalt eines ehemaligen 9oo Tonnen-Küstenfrachters.
Ihm waren 3 Dinge zum Verhängnis geworden damals vor 35 Jahren: der dichte Küstennebel, der Null-Sicht vermittelte und die 8oo KM lange Sandbank mit dem alles festhaltenden nassen Schlick, nebst dem starken Dauerwestwind. Da gab es dann keine Rettung mehr. Mannschaft und Kapitän mussten durchs kalte Salzwasser schwimmend und paddelnd ans nahe Ufer, die Ladung nebst Transportgerät war rettungslos verloren.
Ein Schicksal, das im Übrigen etwa weitere 5o Schiffe hier ereilte.

Wir setzten unseren anspruchsvollen Dünenritt fort, legten irgendwann und irgendwo den Blinker links und surften Kurs Nordwest ins Landesinnere. Der Feinsand wich langsam steinernem Granulat, das in messerscharfen Schotter überging und ins Gebirge führte.

Ein Pipeline-Trail vom Gemeinsten führte uns aus dem „Buffels Rivier“ wieder heraus. Eine echte Himmelfahrtsstrecke, bis an die Grenzen des mechanischen Vortriebs, nahe am rückwärtigen Kippwinkel. In der ersten Welle der Geländereduktion seilten wir uns zentimeterweise ab und auf der anderen Seite fast lotrecht wieder hoch.

Der heiße Planet flambierte uns Hirn  und Hände, der Staub setzte sich in Augen und Ohren. Knapp 4o Grad signalisierten zunehmende Dehydrierung und der Griff zur Wasserflasche erfolgte in immer kürzeren Abständen. Torsten fuhr, damit ich mal wieder Bilder machen konnte, dann übernahm ich das Steuerungsorgan, damit er seine Digikamera füttern konnte, So ging´s den ganzen Tag.

Ob Hilux oder ob LandCruiser:
sie machten beide ihre Sache, vor allem dank der neuen Dieseltrieblinge, mit größter Zuverlässigkeit einfach optimal.

Und nach etlichen Tagen, die viel zu schnell zu Ende gingen, dieselten wir in Springbok ein,
nahmen den alten, aber feinen Charterflieger und segelten zurück ins wunderschöne Kapstadt, wo uns mitteleuropäische 24 Grad mit leichter Brise vom Atlantik erwarteten.

Die Tour lässt sich aber auch nach Nordwesten verlängern, durch Wüste und Savanne, durch Gebirge und Busch bis nach Upington über Khamkirri zum Loch Maree-See, zu den Augrabies Wasserfällen, dann zum Kgalagadi Naturpark und Loch Broom. Das sind dann, alles in Allem, von und bis Frankfurt/Main gute 12 Tage.

Ein Abenteuer mit Safari, aber ohne Waffen, mit feinster Küche in der Küstenstadt und regionalen Spezialitäten im Landesinneren, mit Staub zwischen den Zähnen und glühender Sonne auf der südlichen Seite der Weltkugel. Richard Gebhardt und Luis Munnock sind die feinen Jungs, die kompetent und zielsicher agierten. Ihr Guide-Fahrzeug ist medizinisch und geländemäßig top ausgestattet. Das beruhigte die ganze Zeit über.

Text und Bilder: Frank Nüssel.